Demografischer Wandel - In die Zukunft Lübbenaus geschaut

Umfangreicher Straßenausbau, Erlebnisspielplätze, sanierte Schulen, Kitas, Sportstätten, zwei medizinische Zentren, Wohnangebote für unterschiedliche Lebensstile, vielfältige Kultur: Trotz aller Bemühungen der Stadt Lübbenau und der Region ist weiterhin kein Ende des Bevölkerungsverlustes zu verzeichnen. Was heißt dies für die Unternehmensentscheidungen im lebenszentralen Bereich Wohnungswirtschaft und welche Ansätze gibt es, mit dieser Entwicklung umzugehen bzw. langfristig eine Besserung zu erzielen?

Ein Gespräch mit den Vorständen der GWG Lübbenau Hans-Dieter Vollmer und Holger Siebert:

Redaktion: Manifestiert sich die demografische Entwicklung auch im Bestand der GWG?

Herr Siebert: Ja, natürlich. Beim heutigen Betrachten der Mitglieder-Register und den damit verbundenen Geburtenjahrgängen aus der Gründerzeit der Neustadt wird deutlich sichtbar, dass über 46 % unserer Mitglieder inzwischen der Generation 60 + angehören, was auch dem Schnitt in der Lübbenauer Neustadt entspricht. Der Leerstand steigt hier aufgrund der altersbedingt eingesetzten Sterbequote weiter an. Daneben nimmt der Kaufkraftverlust durch weniger Rentenanspruch der „Nachrücker“-Rentner, der zunehmende „Einpersonen“-Haushalte und der regional bedingten Saisonarbeitsplätze zu. Das Nettolohngefüge der Lübbenauer ist leider auf einem niedrigeren Level im Vergleich zu Kommunen im Westen der Republik. Dieser Problemlage müssen wir uns als Unternehmen in unserer Stadt intensiv stellen.

Redaktion: Welche Maßnahmen haben Sie bereits getroffen, um einerseits den älteren Mietern mit ihren besonderen Ansprüchen gerecht zu werden und andererseits attraktiv für Jüngere zu bleiben?

Herr Vollmer: Es ist natürlich immer eine wohlüberlegt zu fassende Entscheidung, wo wir als Unternehmen investieren. Einerseits planen wir Instandhaltungsmaßnahmen fest im Jahresprogramm ein, andererseits investieren wir in neue Wohnvarianten. Wir möchten für alle unsere Mitglieder weiterhin bezahlbaren und schön modernisierten Wohnraum für die Zukunft schaffen. Ob die XXL-Wohnung mit ihren 120 m2 für Familien oder Menschen mit Freude am großzügigen Wohnen, Aufzugsbauten für mehr Komfort oder spezielle Grundrissvarianten und Ausstattungen für ältere Menschen – wir versuchen uns breit aufzustellen und das bei weiterhin bezahlbaren Mieten für alle. Die August-Bebel-Straße 6 wurde mit Aufzug versehen und ist nun komplett barrierefrei zugänglich. Weitere 33 Aufzüge sind innenliegend gebaut, zwei folgen noch in diesem Jahr. Eine weitere erfolgreiche Geschichte ist der Bau von ebenerdigen Fahrradhäusern in den Wohngebieten. Und natürlich setzen wir uns auch gegenüber der Stadt für nachhaltige Investitionen ein. Die geplanten Vorhaben der Stadt wie Straßenausbau, der Kreisel Roter Platz und das Projekt Drunter & Drüber sollten so angedacht und realisiert werden, dass nicht die Meinung einiger wenige Ansässiger zählt, sondern 40 Jahre voraus gedacht wird und sie den neuen Anforderungen an Verkehr und Mobilität gerecht werden.

Redaktion: Lübbenau hat sich als touristischer Anziehungspunkt einen Namen gemacht. Sehen Sie Ansatzpunkte, um die Stadt als Lebensort attraktiver zu machen?

Herr Siebert: Zuzug steht und fällt mit dem Angebot an Arbeitsplätzen. Dafür müssen wir die Reserven in der Region nutzen. Ich denke da zum Beispiel an die seit fast 15 Jahren wenig genutze Gewerbefläche an der Autobahn bei Kittlitz und noch freie Kapazitäten auf dem Kraftwerksgelände. Die Vermarktung in Kittlitz muss in andere Verantwortung gelegt werden und Vergleichsobjekte wie die Flughäfen in München und Halle/Leipzig mit den Firmenansiedlungen zum Vorbild genommen werden. Die Fragen der Menschen, ob Lübbenau ihr neuer Wohnort ist, sind einfach: Gibt es eine Arbeitsstelle für mich? Stimmt der Verdienst? Ist es nur für eine Saison? Passen die Angebote in der Stadt für meine Familie? Chancen wie die Ansiedlung eines Outlet-Centers und Autohofs dürfen nicht verspielt werden und vor allem nicht als Schreckgespenst der Altstadthändler zerredet werden. Die dort neu geschaffenen Arbeitsplätze sind wichtige Signale, um gerade der Jugend Dauerarbeitsplätze anzubieten. Wir nehmen dies als Unternehmen selbst ernst und haben zwei jungen Lübbenauern eine Ausbildung ermöglicht.