Herausforderung Grundwasser

Mehr als nasse Keller

Mit dem Kraftwerksbau ab 1957 wurde eine permanente Grundwasserabsenkung per Schöpfwerk
um 0,5m bis 4,5 m erreicht. Diese wirkte sich bis in die Stadt Lübbenau hinein aus. Der
Grundwasserspiegel lag hier bei letztlich 49,5 m üNN (Meter über normal Null). Da das Grundwasser
fern war, wurden in der Aufbauzeit der Neustadt die Fundamente nicht mit einer druckwasserdichten
Wanne versehen.

Nach der Stillegung von Kraft- und Schöpfwerk im Jahr 1996 steigt das Grundwasser jetzt auf sein oberflächennahes natürliches Niveau. Durch die Veränderungen in der Landschaft infolge des mit den Tagebauen einhergehenden Verlusts an wasserhaltenden Böden ist zudem ein Anstieg darüber hinaus zu befürchten.

Die Folgen für die Gebäude

Gerade bei stärkeren und länger anhaltenden Regenfällen kommt es immer wieder zu überschwemmten Kellern insbesondere in Lübbenaus Neustadt. Betroffen sind einerseits Gebäude, deren Fundamente nach dem künstlich niedrigen Grundwasserstand errichtet wurden. Zusätzlich beeinträchtig sind jene Gebäude, unter denen zugeschüttete Fließe verlaufen, die dem Wasser einen natürlichen unterirdischen Verlauf bieten. Ergebnis: überschwemmte Keller, feuchte Wände und Schimmelgefahr. Letztlich ist auch ein Verlust der Standfestigkeit durch
entstehenden Schwimmsand denkbar.

Mögliche Folgen für das Trinkwasser

Das für das Trinkwasser vom Wasserwerk Lübbenau aus dem Boden entnommene Grundwasser fließt direkt unter der Lübbenauer Neustadt entlang. Deren tiefer liegende Schmutzwasserleitungen drohen in das steigende Grundwasser einzutauchen und bei undicht gewordenen Rohren das zum Wasserwerk fließende Wasser durch Fäkalien zu verunreinigen.

Lösungsvarianten

Diese Problemlage zu lösen ist kein einfaches Unterfangen. Erste Schritte wurden durch den städtischen Wasserbeauftragten Rudi Heine eingeleitet. Durch die Öffnung alter Gräben kann das Wasser schneller in Richtung Spree abfließen, was gerade bei stärkeren Regengüssen hilfreich ist. Sie entwässern die Geländeoberflächen. Das generell steigende Grundwasser können sie allerdings nicht beeinflussen. Der insbesondere vom engagierten Genossenschaftler Erwin Lieke vertretende Vorschlag ist die Ansiedelung von Betrieben mit sehr hohem Wasserverbrauch auf dem ehemaligen Kraftwerksstandort. Ziel wäre hier eine ähnlich große Grundwasserabsenkung
wie mit dem Schöpfwerk zuvor. Dazu müssten zielgerichtet und unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit Unternehmen im Bereiche Textilgewerbe, Zucker-, Pappen- oder Kartoffelfabriken mit spezifischer Wasseraufbereitung angesprochen werden. Letzlich ist der steigende Grundwasserspiegel aber eine Problemsituation, die nach einer Lösung in der Region verlangt.

GWG-Vorstand Hans-Dieter Vollmer:

„Das Wasser ist ein ernst zu nehmendes Problem, nicht einfach nur unangenehm wenn es im Keller steht. Hier haben wir bereits in die betroffenen Bestände investiert, um das Schlimmste zu verhindern. Perspektivisch ist aber eine regionale Grundwasserstrategie unabdingbar.“

Ausblick

Mitte Dezember wird es zu diesem Thema ein Treffen von Vertretern der Stadt Lübbenau und des Landes Brandenburg geben, um über die Sachlage und den weiteren Umgang damit zu beraten.